Kavernenkraftwerk im Drei-Brüder-Schacht
 

Die Wassergöpel-Anlage des Drei-Brüder-Schachtes

1791 vereinbarten die Gewerke der Gruben "Beschert Glück" und "Segen Gottes Herzog August" zukünftig mit vereinten Kräften die bebauten Gänge weiter in die Tiefe zu verfolgen. Um den zu erwartenden Wasserzuflüssen Herr zu werden, sollte ein neuer Stolln angelegt werden, mindestens 30 Meter unter dem bis dahin tiefsten Stollnniveau des "Kurfürst-Johann-Georg-Stollns". Die Kosten für dieses Projekt, welches Bedeutung nicht nur für diese beiden Gruben, sondern für das gesamte südliche Revier hatte, teilten sich der Fiskus (50%) und die beiden Gruben (je 25%). Wenn man so will, eine Vorwegnahme der Beteiligung des Staates an bedeutenden Bergbauanlagen wie dem "Rothschönberger Stolln".

Unterirdischer Stau
Der unterirdische Wasserstau

Zusätzlich sollte ein neuer Schacht (der "Drei-Brüder-Schacht") im Grubenfeld von Segen Gottes die erforderliche Technik aufnehmen. Schließlich stand zu jener Zeit die "Segen Gottes Herzog August Fdgr." in bester Ausbeute. Der Plan ging dahin, die von Beschert Glück verbrauchten Aufschlagwässer zu nutzen und diese dann über den neu aufzufahrenden Stolln zu lösen. Mit den geplanten 30 Metern Gefälle zwischen "Kurfürst-Johann-Georg-Stolln" und dem neuen "Moritzstolln" hätte man zwei Kunsträder übereinander einhängen können.

Als Hauptförderschacht der "Herzog-Georg-August-Fundgrube" mußte der "Drei-Brüder-Schacht" mit einer leistungsfähigen Fördertechnik versehen werden. 1823/24 wurde daher eine Wassergöpel-Anlage installiert.

Wassergöpel-Anlage
Die Wassergöpel-Anlage des Drei-Brüder-Schachtes

Die Anlage bestand im Wesentlichen aus:

  • der über Tage befindlichen Seiltrommel und den Seilscheiben im Göpelhaus aus Holz und
  • dem umsteuerbaren Kehrrad in 128 Metern Tiefe.

Als Besonderheit wurde parallel zum Hauptschacht ein zweiter Schacht abgeteuft. Zwischen beiden Schächten hingen Seiltrommel über Tage und Kehrrad unter Tage.

Wassergöpel-Anlage
Die Wassergöpel-Anlage des Drei-Brüder-Schachtes

Im Betrieb setzte das Kehrrad über zweifach gekröpfte Kurbeln je zwei Stangenpaare an seinen Stirnseiten, d.h., auf der einen Seite im Hauptschacht, auf der anderen Seite im Stangenschacht, in eine Auf- und Abbewegung. 128 Meter oberhalb des Kehrrades trieben diese Stangenpaare wiederum über zweifach gekröpfte Kurbeln die Seiltrommel an. Zum kinematischen Verhalten solch extrem langer Gestänge stellte BRENDEL gesonderte Berechnungen an.

Die Länge der im "Drei-Brüder-Schacht" verwendeten Gestänge dürfte im Freiberger Revier einmalig sein. Eher setzte man in vergleichbaren Situationen die Seiltrommeln unter Tage neben das Kehrrad und leitete nur die Seile nach über Tage, dort über die Seilscheiben wieder nach unter Tage.

Ein Kehrrad besitzt zwei Radkränze mit entgegengesetzter Beschaufelung. Durch Beaufschlagung entweder des einen oder des anderen Radkranzes mit Wasser konnte so die Drehrichtung umgekehrt werden (daher der Name). Das Öffnen und Schließen der Schütze sowie die Bedienung der Bremse geschah von über Tage aus ebenfalls über Gestänge.

Hängebank
Hängebank des Drei-Brüder-Schachtes mit
Seilscheiben, Holzkammrad und den Fördertonnen

Ursprünglich (1824) wurde einem ca. 10 Ellen (5 Meter) hohen Kehrrad das Wasser in Nabenhöhe aus dem "Johann-Georg-Stolln" zugeführt Man spricht von "mittelschlächtigem Betrieb". Offenbar war man jedoch nicht mit der erzielten Leistung zufrieden. Man verspündete daher 1845 die alte Aufschlagrösche und leitete über ein Überhauen und eine neue Aufschlagrösche das Wasser nun von oben auf ein größeres, jetzt 16 Ellen (ca. 9 Meter) hohes Kehrrad. Dieser "oberschlächtige Betrieb" wurde im Revier am häufigsten eingesetzt, konnte doch so ein höheres Gefälle genutzt werden. Das neue Kehrrad wies außerdem zwei Kuriositäten auf:

Zum einen koppelte man 1846 acht Pumpensätze an die Gestänge im Stangenschacht und hob damit Trink- und Brauchwasser vom "Hütten-StolIn" 68 Meter nach über Tage.

Zum anderen trieb die Seilkorbwelle über ein hölzernes Zahnrad die Welle eines winzigen Pochwerkes an. das in einem Treibehaus-Anbau untergebracht war.

Pochwerk
Pochwerk

Das verbrauchte Wasser floß über die Abzugsrösche zum unter dem Kehrrad hängendem Kunstrad, trieb dieses an und floß dann über den "Moritz-Stolln", in Fortsetzung "Tiefer Fürsten-Stolln" nach über Tage in die Freiberger Mulde ab.

Die Wassergöpel-Anlage war bis zur Stillegung der Grube 1898 in Betrieb. Sie wurde bei der Wiederaufgewältigung des "Drei-Brüder-Schachtes" in Vorbereitung des Revier-Elektrizitätswerkes durch eine Dampfförderanlage ersetzt, so daß heute davon nichts mehr erhalten ist.

Publikation
Der Wassergöpel im Drei-Brüder-Schacht
von Michael Schönfeld (2002)

Den vollständigen Artikel von Michael Schönfeld "Der Wassergöpel im Drei-Brüder-Schacht" können Sie sich mit dem unten stehenden Link als PDF-Datei downloaden (244 kB) bzw. ansehen.

 

 

 

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