Kavernenkraftwerk im Drei-Brüder-Schacht
 

Die Fördermaschine des Drei-Brüder-Schachtes

Zum noch erhaltenen Teil des denkmalgeschützten Anlagenverbandes im ehemaligen Revierelektrizitätswerk (REW) gehört als überaus wertvolles Detail die Fördermaschine auf dem Drei-Brüder-Schacht. Sie ist solider Beleg für die Leistungsfähigkeit und Qualität des einstigen Freiberger Maschinenbaus. Repräsentativ dafür steht ihr einstiger Erbauer und Begleiter über mehrere Jahrzehnte, die Firma "Paschke-Maschinenbau, Gießerei und Kesselschmiede".

Die Maschine ist eng mit dem Schicksal dreier Gruben verbunden und erinnert als solche an die letzte große Blütezeit und die folgende Abrüstung des Freiberger Bergbaus sowie an die äußerst geniale Nachnutzung der einstigen Bergwasserver- und Entsorgungsanlagen, die in der Revierwasserlaufsanstalt (RWA) vereinigt waren.

Fördermaschine
Fördermaschinenhaus des Drei-Brüder-Schachtes
Fördermaschine der Fa. Paschke & Kästner von 1888

Der Aufschwung der Montanwissenschaften nach Gründung der Bergakademie Freiberg, verbunden mit der allgemeinen industriellen Revolution in Europa, begründeten im Freiberger Altbergbau Anfang des 19. Jahrhunderts den Beginn eines neuen Aufschwunges. Auch neue, reiche Erzanbrüche versetzten die Gruben in die Lage, umfangreiche Investitionen für Erweiterungen und technische Neuerungen vorzunehmen. So ließ sich die Himmelfahrt-Fundgrube das alte Reichzecher Grubenfeld am nördlichen Hauptstollengang 1634 neu verleihen. Ab 1841 begann die Grube dort einen Richtschacht abzuteufen - er wird noch heute als Seilfahrtsschacht der Lehrgrube benutzt. Die Schachtförderung und Wasserhaltung wurden nach Erreichen der jeweiligen Stollensohlen 1846/47 mit Kehr- und Kunstrad sowie 1850 und 1852 mit Wassersäulenmaschinen ausgestattet.

Der Drei-Brüder-Schacht als Hauptschacht der Segen Gottes Herzog August-Fundgrube war zwar schon früher geteuft, erhielt aber in dieser Zeit etwa die gleichen technischen Ausrüstungen. Kehr- und Kunstrad wurden 1823/24 eingebaut; ein neues Kehrrad bereits wieder 1846. Die Nutzung der Wasserkraft war, solange ausreichend Aufschlag zur Verfügung stand, im Freiberger Bergbau der neuen Dampfkraft wirtschaftlich noch ebenbürtig.

Der um 1870 beginnende laufende Verfall des Silberpreises gefährdete den Bestand aller Gruben und war der Anfang vom Ende dieser letzten bedeutenden Periode des Altbergbaus. Die kleineren Gruben mußten nach mehr oder weniger langem Siechtum aufgeben, so Herzog August mit dem Drei-Brüder-Schacht.

Fördermaschine
Fördermaschinenhaus des Drei-Brüder-Schachtes
Fördermaschine der Fa. Paschke & Kästner von 1888

Die noch ertragreichen größeren Gruben wurden 1886 vom Staat aufgekauft. Nach erneuter Modernisierung und einem erhofften Gewinn- und Verlustausgleich zwischen Gruben und Hütten sollte der Betrieb in konzentrierter Form aufrechterhalten werden.

Im Reiche Zeche Richtschacht, einem der Hauptschächte der nunmehr Königlichen Himmelfahrt Fundgrube, wurde 1888/90 der Wassergöpel durch eine kleinere Dampfförderanlage ersetzt. Notwendige höhere Förderleistungen aus großer Treufe zwangen schon 1898 zum Austausch gegen eine stärkere zweizylindrige Dampfmaschine. Die angespannte wirtschaftliche Lage bei der Oberdirektion der Königlichen Erzbergwerke (OdE) war Anlaß, die freigewordene Förderanlage umgehend weiterzuverwenden. Sie wurde zum Röschenschacht umgesetzt, einer bedeutenden Schachtanlage der Königlichen Mittelgrube in der Betriebsabteilung Beschert Glück. Ergänzend hinzugefügt wurde der Blechschornstein von der Förderanlage des 1896 stillgelegten Constantin-Schachtes.

Die moderne Dampffördertechnik konnte jedoch weder bei Mittelgrube, noch bei Himmelfahrt das Betriebsende verhindern. Beschert Glück schloß bereits zwangsweise 1899 und die noch verbliebenen Himmelfahrt- und Himmelsfürst-Fundgruben nach planmäßiger Abrüstung ab 1903 bis 1913.

Fördermaschine
Fördermaschinenhaus des Drei-Brüder-Schachtes
Fördermaschine der Fa. Paschke & Kästner von 1888

Noch in dieser für den Bergbau schicksalhaften Zeit konnte die betagte kleine Dampfförderanlage von 1888 einem alten, längst verwahrten Schacht zu neuem Glanz verhelfen. Nur etwa 800 Meter nördlich von ihrem Standort beim Röschenschacht war der 1902 zugewölbte Drei-Brüder-Schacht aufzuwältigen, um dort nach LANGEs Plänen das Unterwerk des späteren REW zu errichten. Die RWA als Bauherr des Elektrizitätswerkes mußte sparsam und mit geringstem Aufwand arbeiten; daher bat man die OdE um leihweise Überlassung der Maschine. Das Bergamt gab nach Revision grünes Licht. Die Herstellerfirma Paschke übernahm nun ab Ende 1912 auch diese zweite Umsetzung, nachdem sie die erste von Reiche Zeche nach Beschert Glück mit "etwa 45 Fuhren" bereits erfolgreich erledigt hatte. Der Zustand der Maschine war nach verschiedenen Überholungs- und Anpaßarbeiten indes so hervorragend, daß aus der gedachten Interimslösung ein Dauerbetrieb für die gesamte Laufzeit des REW wurde.

Die Antriebsdampfmaschine entwickelte bei 8 at Dampfdruck 7,9 PS Leistung. Ein dafür neu gemauerter Schornstein ist heute nicht mehr vorhanden. Nachdem mit der Maschine die gesamte Schachtrekonstruktion sowie das Einhängen der schweren Turbinen- und Generatorenteile bewältigt wurde, konnte sie mit dem ersten erzeugten Strom 1915 durch einen Elektroantrieb ersetzt werden. Leider sind keine Teile der Dampfmaschine erhalten worden. Der eigentliche Fördermaschinenteil ist durch jahrelange gute Pflege der Mannschaften bestens erhalten und mit dem einst installierten Elektromotor noch betriebsfähig.

Zum Schluß noch eine Kuriosität:

Die Einstellung des Bergbaus 1913, die anschließenden Wirren des Krieges und der lnflationszeit brachten es mit sich, daß die Tatsache der vom Fiskus geliehenen Fördermaschinen-Ausrüstung vergessen wurde. Ein Schlaumeier bemerkte dies Ende der 20er Jahre und tat sich wichtig, als er die inzwischen stillgelegte Dampfkesselanlage sah. Der Fiskus zeigte sich großzügig und ließ die Sache auf sich beruhen.

 

 

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